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album amicorum,

Reiseandenken im Namen der Freundschaft  

Im letzten Jahr erhielt ich folgende Einladung - woraufhin ich mich entschloss, die kommende Übung den Stammbüchern zu widmen. 

 

Liebe Freunde der Buchkunst und Graphik,

 

erstmals sind alle 721 Stammbücher der Linel-Sammlung in einer Studio-Ausstellung präsentiert und können bis 3. September in ihrer Vielfalt und Pracht in der Barockabteilung bewundert werden. In ihrer Vollständigkeit offenbaren sie die überraschend reiche Kommunikations- und Vernetzungskultur vergangener Epochen.

Das Museum für Angewandte Kunst Frankfurt besitzt mit seinen annährend 750 Stammbüchern die größte Sammlung Europas.

 Aufgrund des Umfangs dieser Sammlung, ist die Gesamtentwicklung des deutschen Stammbuchs vom beginnenden 16. bis ins ausgehende 19. Jahrhundert gut dokumentiert. Den Schwerpunkt bilden dabei die Freundschaftsalben der Goethezeit.

 Das Stammbuch - häufig auch als "album amicorum" bezeichnet - gilt der Erinnerung an die Freundschaft. Gesellschaftliche Kontakte mit möglichst vielen herausragenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst zu sammeln sowie freundschaftliche Beziehungen in Buchform zu bewahren und liebevoll zu ästhetisieren, ist ihre Bestimmung. Als solche sind die Stammbücher ein bedeutender Teil der humanistisch geprägten Erinnerungskultur.

 Diese kleinen Bücher sind kostbar und vielseitig ausgestattet: mit verzierten Ledereinbänden, eingebundenem Buntpapier, Miniaturen, Federzeichnungen, aufwendigen Stickereien und sonstigem künstlerischem Schmuck. Das handliche Format der Stammbücher entspringt ihrem Benutzungszusammenhang, nämlich auf Reisen mitgenommen zu werden, um dann die aktuellen Begegnungen an dem jeweiligen Ort  für die Zukunft festzuhalten.  Zunächst von professionellen Malern ausgeführt, ging man im 18. Jahrhundert allmählich dazu über, sich mittels eigener künstlerischer Gestaltung selbst zu verewigen.

 Das handliche Format der Stammbücher entspringt ihrem Benutzungszusammenhang, nämlich auf Reisen mitgenommen zu werden, um dann die aktuelle Begegnung an dem jeweiligen Ort für die Zukunft festzuhalten.

 Die Verbindung aus Reiseutensil und der Absicht, "Andenken" für eine spätere Zeit zu schaffen, erklärt das Stammbuch zu einem Erinnerungsmedium im Sinne des Souvenirs.

 Heute lebt das Stammbuch in gewandelter Form in den Poesiealben, Gästebüchern und Autogrammsammlungen fort.

 Mit freundschaftlichen Grüßen

Dr. Eva Linhart

Kuratorin der Abteilung Buchkunst und Graphik

Museum für Angewandte Kunst Frankfurt

Schaumainkai 17

D-60594 Frankfurt

 

 

Im Sommersemester 2005 wurde also im Rahmen einer Übung die Tradition des Stammbuchs gepflegt.

Hierbei sollte die weit zurückreichende und starken Wandlungen unterworfene Tradition des album amicorums reflektiert werden. Danach wurden eigene Stammbücher gebunden und in der letzten Arbeitsphase sollten Einträge darin vorgenommen werden. 

Angeregt durch den Museumsbesuch im MAK wurde die unglaubliche Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten ausgeschöpft, wozu das Erlernen einer historischer Schrift gehörte und auch Grundlagen der Aquarell- und Zeichentechnik. Sowohl die bildnerische als auch die literarische Versiertheit der Studierenden waren in dieser Übung gefragt. Im wöchentlichen Wechsel wurden die Bücher untereinander ausgetauscht, so dass eine ansehnliche Anzahl von Einträgen pro Buch zusammen kam. Natürlich sollen die Stammbücher auch nach der Übung weiter geführt werden.

Zunächst war es nicht leicht, von der Auffassung abzurücken, ein Eintrag in ein (Poesie-)Album müsse zwingend mit läppischen Oblatenbildchen und kitsch-Versen einhergehen. Die Stammbücher der Linel-Sammlung offenbarten zwar eine große Bandbreite an niveauvollen und handgefertigten Einträgen, es kamen aber Zweifel daran auf, ob es uns heute noch möglich wäre, einen so anspruchsvollen Weg einzuschlagen. Bei unseren Sitzungen wurden folgende Themen lose vorgegeben:

Die Deutsche Kurrent (Sütterlin)

Portrait und Selbstportrait (zeichnerisch)

Selbstbeschreibung/Vita - ironisch, geistvoll, ungewöhnlich

Standort Mainz (zeichnerisch und fotografisch)

Reflexionen über das Studentenleben in Mainz

Stilleben, Landschaft (malerisch, zeichnerisch)

Collage

Abstrakte Zeichnung/Schrift

Textur

 

Es stellte sich heraus, dass die Einträge sehr unterschiedlich und persönlich wurden, zugleich aber auch zeitgemäß und von beachtlicher Qualität. Die Freude, beim allwöchentlichen Bücher-Austausch einen neuen Eintrag in seinem Buch aufspüren zu können, kam der spannungsvollen Erwartung beim Öffnen eines Geschenks gleich - und nichts anderes war ein solcher Eintrag.   Ein Stammbuch ist auch eine öffentliche Miniatur-Plattform für eigene Schöpfungen. Werke, die man sich noch nicht einem großen Publikum zu präsentieren traut (in Lesungen oder Ausstellungen), können im Freundschaftsalbum eine kleine, ausgewählte Leserschaft finden - mit der Option, im Laufe der Zeit doch von sehr vielen entdeckt zu werden. Die Einträge gehen ihre eigenen Wege ...

Stammbücher der Linel-Sammlung

Hier der Übungsverlauf in Kapiteln

Buchbinden

Einige Einträge

Erste Seiten

Collagen

Mainzer Erinnerungen

Selbstportraits

Stilleben, Zeichnungen

Vermischtes